BR - Jenny Downham - Die Ungehörigkeit des Glücks




 Titel: Die Ungehörigkeit des Glücks
 Reihe: -
 Autor: Jenny Downham
 Genre: Roman
 Verlag: C. Bertelsmann
 Seitenzahl: 478 Seiten
 Preis: 19,99€

Vielen Dank an das Randomhouse Bloggerportal, dem C. Bertelsmann Verlag und die zuständige Pressereferentin Sinja Bohn für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!



Es war klar, dass sie irgendwann stolpern würde, doch wenn - würde sie sich aufrappeln und von vorn anfangen. Sie würde schwanken, sich zusammennehmen, scheitern, es noch mal versuchen. Ihr Leben lang. Immer weiter.
Genau wie Mary. Genau wie Mum und Chris und alle anderen.
Unvollendete, alle miteinander.

Katie trifft ihre Großmutter Mary zum ersten Mal in einem Krankenhaus. Ihr Lebensgefährte Jack ist gestorben und hatte Katies Mutter Caroline als Notfallkontakt angegeben - nur dass Caroline schon vor Jahrzehnten den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen hat. Zu diesem Zeitpunkt leidet Mary bereits an einer fortschreitenden Demenzerkrankung. Sie zurück nach Hause zu schicken und so zu tun als wäre nichts gewesen ist also keine Option. Notgedrungen nehmen sie Mary bei sich auf. Während Caroline ihre Mutter mit eisiger Abweisung straft, findet Katie wie von selbst einen Draht zu ihrer Großmutter - und beginnt deren Geschichte aufzuschreiben, die nahtlos in die ihrer Mutter und auch ihre eigene übergeht. Doch manch einer würde die Vergangenheit lieber ruhen lassen...

Von Jenny Downham habe ich bisher noch kein anderes Buch gelesen. Was mich gerade auf dieses hier aufmerksam gemacht hat war das Thema Demenz. Ich habe einige Monate im Büro einer Kollegin mitgearbeitet, deren Mutter daran erkrankt ist und habe viele manchmal ganz alltägliche Geschichten gehört, die mich betroffen gemacht haben, aber auch dafür gesorgt haben, dass ich eine tiefe Bewunderung dafür empfunden habe, wie sie das jeden Tag aufs Neue stemmt, und mir das Thema einfach näher gerückt ist.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Katies und aus Marys Sicht erzählt. Anfangs könnten sie unterschiedlicher kaum sein: Katie ist verantwortungsbewusst, schüchtern und ausgesprochen diszipliniert was die Schule angeht. Sie hat kaum Zeit großartig irgendwelche Freundschaften zu pflegen, denn wenn sie nicht lernt hilft sie ihrer Mutter mit ihrem Bruder Chris, der aufgrund einer Entwicklungsstörung eigentlich rund um die Uhr Aufsicht braucht. Mary dagegen ist, trotz der vielen Dinge über ihr Leben, die sie bereits vergessen hat, eigensinnig, abenteuerlustig und quirlig. Nach und nach ist es ausgerechnet diese lebendige, aber fremde Großmutter, die Katie dazu verhilft ein wenig aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen und mehr über ihre eigene Identität und ihre Wurzeln herauszufinden.
Die Geschichte an sich ist nicht spannungsgeladen oder aufregend, dass sie einem Herzklopfen bereiten würde. Aber Jenny Downham beschreibt so viele wirklich wunderschöne, aber auch anstrengende und schwierige zwischenmenschliche Momente auf wirklich berührende Art, dass mich das Buch von vorne bis hinten nicht losgelassen hat. Ich war genauso neugierig wie Katie, was wohl damals zwischen Caroline und Mary vorgefallen ist. Wie alles so festgefahren und feindselig werden konnte wie es in der Gegenwart ist. Mehr als einmal sind mir die Tränchen gekommen, etwa wenn Mary mit dem "Geist" ihres Lebensgefährten Jack spricht (was allerdings natürlich eher ihrer Krankheit geschuldet ist als dass das Buch einen tatsächlichen Geist aufgreift) oder in den Vergangenheitsszenen an ihre Tochter Caroline denkt.
Ein weiteres wichtiges Thema war aber auch Katies Selbstfindung. Das Ausbrechen aus den elterlichen Vorstellungen, die Frage danach, was es eigentlich ist, was sie selbst für ihr Leben will. Für sie ist besonders schwierig, dass sie nicht weiß wo im Leben und vor allen Dingen auf wen sie eigentlich steht: Jungs oder Mädchen? Für jemanden, der eher behütet und konservativ aufgewachsen ist, ist es mitunter gar nicht so einfach damit umzugehen, wenn sich plötzlich solche Gedanken einschleichen. Es ist aufregend, es ist beängstigend, es ist mitunter demütigend, wenn andere mit dem Finger auf einen zeigen. Auch diesen inneren Konflikt hat Jenny Downham meiner Meinung nach einfühlsam und so dargestellt, dass als Leser es richtig nachfühlen konnte.

Eine schwierige Thematik wurde hier von Jenny Downham sehr berührend aufbereitet. Ein Zeugnis dessen, wie weit alte Wunden immer noch in die Gegenwart reichen können und wie schwierig es sein kann über seinen eigenen Schatten zu springen und alte Wogen zu glätten, statt den Groll ewig zu hegen. Von mir gibt es für "Die Ungehörigkeit des Glücks" deshalb verdiente 5 Blümchen!


Aussehen: ♥♥♥♥
 Spannung: ♥♥♥♥
 Schlüssigkeit: ♥♥♥♥♥
 Emotionale Tiefe: ♥♥♥♥♥
 Schreibstil: ♥♥♥♥♥









Kommentare :

  1. Hey. :)

    Deine Bewertung freut mich unheimlich, ich hab mir das Buch heute zur Hand genommen und bin schon ganz gespannt auf dieses Buch, eine tolle Rezension die mir richtig Lust macht durchzustarten und ich hoffe ich werde es genauso wie du empfinden. :)

    Liebe Grüße
    Svenja

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    1. Aaw <3 das hör ich so selten (also dass meine Rezension gerade rechtzeitig kam und noch mehr Lust gemacht hat dazu), dass ich ein bisschen platzen könnte. Ich wünsch dir ganz viel Spaß mit dem Buch! Berichte mal, ob es dir auch so gut gefallen hat :)

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