BR - David Pirie - Die Augen der Heather Grace




 Titel: Die Augen der Heather Grace
 Reihe: The strange Beginnings of Sherlock Holmes
 Autor: David Pirie
 Genre: Historischer Kriminalroman
 Verlag: Bastei Lübbe
 ISBN: 978-3404169740
 Seitenzahl: 336 Seiten
 Preis: 8,99 €


"Die bemerkenswertesten Erfahrungen im Leben eines Menschen, bei denen er am tiefsten empfindet, sind genau jene, über die er am wenigsten zu reden gewillt ist."


Als Arthur Conan Doyle der Leiche seiner ehemaligen Patientin gegenübertritt, erinnert er sich an den Moment, in dem er sie kennenlernte. Die Erinnerungen führen den Arzt zurück zu den Anfängen seiner ersten eigenen Praxis und zu Heather Grace, seiner ersten Patientin.
Sie ist jung und schön und der junge Arzt von dieser Schönheit ebenso verwirrt, wie auch von ihrem Problem. Neben einem Augenleiden fühlt sich die Frau von ihrer Vergangenheit verfolgt und glaubt schon dem Wahnsinn anheim zu fallen. Doyles Aufmerksamkeit wird aber auch auf einen Mordfall gelenkt. Ein reicher Geschäftsmann wurde ermordet und plötzlich steht Doyle selbst im Zentrum der Ermittlungen und soll sogar an der Tat beteiligt gewesen sein. Verzweifelt wendet er sich an seinen alten Mentor Dr. Joseph Bell, der ihn aus dieser misslichen Lage retten soll. Die Ermittlungen des exzentrischen Doktors beginnen und bald scheint nichts mehr so zu sein wie es sich zuerst darstellt.

Meggies Meinung
Viktorianische Kleider. Allein deshalb hat mich das Cover angesprochen und ich musste zugreifen. Sherlock Holmes kann ja auch nie wirklich schaden, auch wenn es um dessen Autor Arthur Conan Doyle gehen sollte,  denn auch wenn die Protagonisten Arthur Conan Doyle und Dr. Joseph Bell heißen, hat man doch gleich zu Beginn schon das Gefühl, dass es sich bei den Beiden eher um Sherlock Holmes und Doktor Watson handelt. Für mich allerdings eine Offenbarung, die mir den Lesespaß noch vergrößert hat.
Die Charaktere sind vom Verhalten her tatsächlich sehr an den Romanfiguren von Doyle orientiert. So kommt es immer wieder zu den Sherlock-Fans bekannten Situationen, in denen Watson endlich zu begreifen scheint und Holmes schließlich vollkommen andere Schlüsse zieht, die sich dann erschreckender Weise auch noch als die logische Lösung des Rätsels ergeben. Außerdem sind die Figuren recht klischeehaft aufgebaut. Doyle nimmt die Rolle des Mannes ein, der die schwache Frau, Heather Grace, beschützen möchte. Der Autor spielt instinktiv mit diesen Rollenmodellen und vollführt so einen recht unerwarteten Umschwung. Allerdings muss ich ganz offen gestehen, dass ich einfach ein totaler Fan der Beziehung zwischen Watson und Holmes bin und entsprechend auch die Konstellation von Doyle und Bell direkt ins Herzgeschlossen habe. Es fällt mir recht schwer objektiv darüber zu urteilen, in wie weit die Figuren tiefgründig und mehrdimensional angelegt waren
Die Geschichte war vom Autor durchaus recht spannend angelegt, doch der Erzählstil unseres lieben Doyles machte genau diesen Spannungsbogen hin und wieder etwas problematisch. Leider neigt der Protagonist dazu seine Gedanken etwas ungeordnet zu präsentieren und gerade der Einschub über seine Zeit bei seinem ehemaligen Studienkollegen Cullingworth und dessen inszeniertes Drama haben für mich den Lesefluss doch etwas gestört, vor allem weil es einen total aus der eigentlichen Handlung hinausbefördert hat. Leider war das für mich eher ein Spannungsbruch im Buch, den allerdings die rasante Abfolge an Ereignissen und Bells großartige Auflösung des Falls am Ende wieder ausgeglichen haben.
Wer emotionale Tiefe sucht ist bei diesem Roman falsch, da Rührseligkeit und große Gefühle einfach nicht in das Genre passen, doch dafür gibt es eine gut durchdachte Detektivgeschichte, die nicht blutrünstig und gewalttätig daher kommt, aber zwei bemerkenswerte Protagonisten beinhaltet, die es am Ende gemeinsam schaffen dem Bösen auf die Schliche zu kommen. Entsprechend ist auch der Schreibstil. Leichte Kost, die sich gut und schnell lesen lässt, ohne, dass man groß darüber nachdenken müsste. Trotzdem fesselt die Geschichte, wenngleich Doyles Abschweifungen beim Erzählen ab und an kleine Einschnitte bedeuten, die man sicher auch anders gelungener hätte unterbringen können. Es ist ab und an recht verwirrend, dass er mit seinen Gedanken schon wieder an anderer Stelle ist, als die Handlung in dem Moment. Auch bleiben einige Fragen ungeklärt. Der Epilog ist beispielsweise vollkommen verwirrend, wenn man davon ausgeht, dass es ein einzelner Band ist. Auch erfährt der Leser nicht, was eigentlich mit Doyles Geliebter passiert ist. Wie sich allerdings herausstellt sind bereits weitere Veröffentlichungen geplant. Es bleibt also die Hoffnung, dass sich dann aufklärt, was im ersten Band der Reihe offen geblieben ist.

Das erste Buch, das Ivy und ich wirklich gemeinsam gelesen haben. An der Umsetzung können wir vielleicht noch etwas feilen, auf der anderen Seite hat mich der Vorsprung von Ivy auch sehr gut vorangetrieben. Die Geschichte war am Ende aber genau richtig, um dann auch drüber reden zu könne.


Ivys Meinung
Wer kennt sie nicht, die großen Detektive des letzten Jahrhunderts? Miss Marple, Hercule Poirot und wer natürlich auch nicht fehlen darf ist Mr. Sherlock Holmes himself!
Ich bin schon immer ein großer Freund der klassischen Kriminalgeschichten gewesen, bei denen man sich am Ende als Leser an die Stirn fasst, weil man Details übersehen oder für unwichtig befunden hat, aus denen der Detektiv die richtigen Schlussfolgerungen gezogen und den Fall gelöst hat.
Darauf versteht David Pirie sich sehr gut. Er hat sich den Schöpfer der Figuren Holmes und Watson, Arthur Conan Doyle, zum Erzähler der Geschichte erkoren. Und an wen erinnern uns die Aufzeichnungen aus der Ich-Perspektive? Richtig, an Dr. Watson, Holmes berühmten Assistenten. Und genau wie dieser kommt Doyle in diesem Roman auch rüber. Er ist Arzt, wie Watson, und er begleitet einen der klügsten Köpfe seiner Zeit bei dessen Ermittlungsarbeit. Dieser kluge Kopf ist in diesem Fall Dr. Joseph Bell, einer von Doyles einstigen Medizin-Dozenten an der Universität. Diesen Dozenten gab es wirklich und er wird als heißes Vorbild für den literarischen Meisterdetektiv gehandelt. Inspiriert von dessen "Methode", soll Doyle Holmes wie seinen ehemaligen Mentor gestaltet haben.
Es macht einfach Freude, den Umgang der beiden miteinander zu verfolgen, denn sie wirken wirklich eins zu eins wie das Gespann Holmes-Watson.
Aber auch die übrigen Charaktere sind liebevoll gestaltet, wenn auch sehr klassisch für diese Art von Geschichte. Heather Grace, die junge, schöne Unschuld in Person, ihr strenger Onkel, ihr aalglatter beinahe Verlobter. Nach außen hin wirkt es, als wären sämtliche Rollenklischees erfüllt, doch je weiter man in der Story vordringt, desto deutlicher zeichnet sich ab, dass sie alle ein wenig mehr Tiefgang haben, versteckte Motive, ungeahnte Winkelzüge.
Piries Schreibstil passt wunderbar zu denen der historischen Holmes-Geschichten und in das viktorianische Großbritannien. Das bedeutet aber auch, dass die emotionale Tiefe zu wünschen übrig lässt. Es gibt den ein oder anderen Aspekt aus Doyles Vergangenheit, der ihn selbst noch immer gefangen hält, aber großen Herzschmerz oder das große Mitfühlen wird man hier nicht finden. Das ist in diesem Fall aber nicht negativ auszulegen, denn es gehört für mich einfach zum Schreibstil dieser Art Romane.
Die Geschichte endet mit einem Epilog, der mehr Fragen aufwirft als er klärt, was aber nicht weiter verwunderlich ist - schließlich soll es auch noch einen zweiten Band geben und dafür muss man schließlich die Spannung hochhalten.

Als wie bereits erwähnt großer Fan dieser klassischen Detektivstories bin ich nur so durch dieses Buch geflogen. Es bietet kurzweilige Unterhaltung und macht zugleich neugierig darauf, wie Pirie Doyles Geschichte wohl weiterzeichnen mag. Wir waren uns daher einig, dass es vier verdiente Blümchen für "Die Augen der Heather Grace" gibt.

Aussehen: ♥♥♥♥♥
Charaktere: ♥♥♥♥
Spannung: ♥♥♥♥ 
Schlüssigkeit: ♥♥♥♥
Emotionale Tiefe: ♥♥♥
Schreibstil: ♥♥♥♥♥

Ivys Neuzugänge #6

Hallo ihr Lieben!


Es ist mal wieder so weit, es haben sich ein paar neue Bücher angesammelt, die ich euch heute hier vorstellen möchte :)


Im Stadtstaat Camorr hat man eine ganz eigene Lösung gefunden, um die Kriminalität unter Kontrolle zu halten: den „Geheimen Frieden“. Gemäß dieser Absprache zwischen dem Adel und dem Herrscher der Unterwelt dürfen Diebe mehr oder weniger ungestraft ihr Unwesen treiben, solange die Aristokratie von ihnen verschont bleibt. Doch Locke Lamora und seine Gentlemen-Ganoven halten nicht viel von Absprachen und haben es sich zur Gewohnheit gemacht, die Reichen der Stadt um ihr Geld zu erleichtern. Das funktioniert wunderbar, bis der geheimnisvolle Graue König mithilfe eines scheinbar unbesiegbaren Soldmagiers die Macht über die Unterwelt an sich reißt und droht, das sensible Herrschaftsgefüge von Camorr aus dem Gleichgewicht zu bringen – und dazu braucht er Lockes einzigartige Fähigkeiten …



Keiner tötet wie er. Oder doch? New York 1891. Eine Prostituierte wird brutal ermordet. Ihre Leiche weist dieselben Verletzungen auf wie die Opfer einer berüchtigten Mordserie in England. Hat der Mörder den Atlantik überquert, um seine Spur zu verwischen? Oder handelt es sich um einen Nachahmungstäter? In der amerikanischen Metropole, die ohnehin mit Bandenkriminalität, Korruption und Verbrechen zu kämpfen hat, geht die Angst um. Der aristokratische englische Kriminalanalytiker Finley Jameson soll den Fall für Scotland Yard vor Ort aufklären. Und er ist zunächst wenig begeistert, als ihm der toughe New Yorker Cop Joseph Argenti zur Seite gestellt wird. Doch trotz aller Bemühungen des ungleichen Ermittlerduos wütet der Mörder weiter - und treibt zudem ein perverses Spiel mit der Polizei ...


Vielleicht hätten Lucy Houston und Mickey Chandler sich nie verlieben dürfen. Und erst recht nicht heiraten. Denn beide haben ein schweres Schicksal zu tragen. Doch die Liebe geht ihre eigenen Wege, und so führen Lucy und Mickey eine ungewöhnliche, aber glückliche Ehe. Vor vielen Jahren haben sie sich das Versprechen gegeben, keine Kinder in ihre unsichere Welt zu setzen. Als Lucy plötzlich doch schwanger wird, steht nicht nur das Fundament ihrer Beziehung auf dem Prüfstand, sondern auch die Kraft ihrer Liebe.





Ich freue mich ehrlich gesagt auf alle drei in etwa gleichem Maße! Kennt ihr eins der Bücher schon? Wie fandet ihr sie? :)


Liebe Grüße


Zitat #5 - Gräser der Nacht

Der (zu diesem Zeitpunkt noch namenlose) Protagonist fährt nachts durch Paris, auf der Suche nach seiner eigenen, dort erlebten Geschichte:

Neulich, in der Nacht, fuhr ich im Auto durch Paris, und ich war gerührt über diese Lichter und diese Schatten, über die verschiedenen Arten von Laternen oder Kandelabern, bei denen ich das Gefühl hatte, sie würden mir, entlang einer Avenue oder an einer Straßenecke, Zeichen schicken. Es war genau das Gefühl, das du verspürst, wenn du lange ein erleuchtetes Fenster betrachtest: ein Gefühl von Anwesenheit und Abwesenheit zugleich. Hinter der Glasscheibe ist das Zimmer leer, doch jemand hat die Lampe angelassen. Für mich hat es Gegenwart oder Vergangenheit niemals gegeben. Alles verschmilzt, wie in dem leeren Zimmer, wo eine Lampe brennt, jede Nacht. 

("Gräser der Nacht" von Patrick Modiano, Seite 53)

Top Ten Thursday #7


Diese Woche starte ich wieder durch mit dem TTT :)
Immer noch sehr passend für den Anfang des Jahres, gibt es diese Woche das Thema

10 Bücher, die ihr 2015 unbedingt lesen wollt


Da es dabei einfach nur um alles geht, was ich gern lesen würde, werden sicher nicht nur Neuerscheinungen auftauchen. Vermutlich wird sogar ein ganzer Teil noch aus dem letzten Jahr sein. In welcher Reihenfolge ich das dann irgendwann mal angehen werde, wird sich dann wohl noch zeigen :D


Peter Prange - Ich, Maximilian, Kaiser der Welt
Solange wollte ich mir endlich mal eines von Peter Pranges Büchern schnappen. Etliche stehen bei mir im Regal, aber anfangen würde ich in diesem Jahr gerne endlich mal mit diesem Werk. Die Habsburger haben es mir ja eh angetan und im Mittelalter gibt es wohl kaum eine schillerndere Gestalt als Kaiser Maximilian.
Jennifer L- Armentrout - Onyx
Viele von euch haben es schon gelesen, aber leider kam ich lange nicht dran und das Geld hat nicht gereicht, um es mir zu kaufen. Deshalb steht der zweite Teil unbedingt noch auf der Liste, genauso wie dann wohl auch der Dritte. Zumindest wenn der zweite genauso fesselnd ist wie es der erste Band war.



David Gaider - Der gestohlene Thron
Überhaupt nicht neu, aber dafür dank des Erscheinens von Dragon Age Inquisition doch irgendwie aktuell. Und da ich die anderen Teile auch schon hier liegen habe, muss ich ja wirklich irgendwann mal mit dem ersten Band anfangen.
Sebastian Fitzek - Passagier 23
Gekauft hab ich es am Erscheinungstag, aber seitdem liegt es hier noch eingepackt rum. Dem muss dringend ein Ende gemacht werden, vor allem wenn es um meinen Lieblingsautor geht.



Gudrun Lerchbaum - Die Venezianerin und der Baumeister
Ich liebe Venedig und die Geschichte klingt zumindest nicht so kitschig wie die meisten historischen Liebesromane, weshalb ich mich tatsächlich auf dieses Buch freue.
Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr
Viel gerühmt und viel gelesen. Das Buch hab ich mir schon im Sommer gekauft und seitdem aber noch nicht gelesen. Aus diesem Grund muss es in diesem Jahr auf jeden Fall dran glauben ;)



Steven Erikson - Die Gärten des Mondes
Die Reihe wurde mir schon vor Ewigkeiten von meiner Freundin empfohlen. Genau so lange steht es auch schon in meinem Bücherregal, aber das soll sich dieses Jahr ändern. Gute Fantasy kann ja schließlich nie wirklich schaden.
Derek Landy - Skulduggery Pleasant. Passage der Totenbeschwörer
Viel zu lange vernachlässige ich den absolut großartigsten, toten Detektiv, den die Literatur je gesehen hat, schon. Entsprechend werde ich dieses Jahr endlich mal den sechsten Band lesen, wo es inzwischen ja auch schon 7 und 8 gibt, die dann hoffentlich auch schnell folgen werden.




Anthony Horowitz - Der Fall Moriarty
Horowitz und ich sind bei seiner Fünf Tore Reihe nie wirklich miteinander warm geworden, doch da ich im Moment in einem wahren Sherlock Holmes Fieber bin, will ich mir dieses Buch auf jeden Fall einmal genauer ansehen. Ich hatte es in der Buchhandlung auch schon mehrfach in der Hand, wenn da nur das liebe Geld nicht wäre :D
Thomas Raab - Still
Gerade eben beim Stöbern durch die Neuerscheinungen auf LovelyBooks entdeckt und für interessant befunden. Von Mord und Blut und Totschlag kann ich ja eh nie genug bekommen xD

Was plant ihr 2015 für Bücher zu lesen oder lasst ihr das lieber ganz spontan auf euch zukommen?












Parallel lesen?

Hallo ihr Lieben! :)

Mal wieder eine kleine Frage an euch, so aus reiner Neugier.

Wie ihr dem gestrigen Gemeinsam Lesen Post entnehmen konntet, lesen Meggie und ich gerade ein Buch parallel. Na gut, vielleicht hätte es dafür nicht mal den Post gebraucht - was da bei "Meggie liest" und "Ivy liest" steht sieht ziemlich identisch aus.

So, also wir haben uns vorgenommen ein Buch parallel zu lesen. Aber parallel ist daran nicht sehr viel, da wir durch unsere ganz unterschiedlichen Tagesabläufe mit Uni respektive Arbeit auch ganz unterschiedlich viel Zeit zu unterschiedlichen Tages- bzw. Wochenzeiten dafür aufbringen können.

Meine Frage daher: Habt ihr schon mal was mit euren Freunden oder anderen Bloggern parallel gelesen? Habt ihr dabei irgendeine super gewiefte Technik, damit ihr etwa auf einem Stand bleibt? Etwa eine Höchstzahl an Seiten pro Tag oder dass der Schnellere an einer Stelle pausiert und auf den Langsameren wartet?
Wie sind eure Erfahrungen damit? Und habt ihr auch schon mal zu zweit eine Rezension zum selben Buch geschrieben? Wie habt ihr das angegangen?

Fragen über Fragen, jetzt freu ich mich auf eure Antworten :)

Liebe Grüße



Gemeinsam Lesen #9


 veranstaltet von: Weltenwanderer & Schlunzenbücher


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?


"Die Augen der Heather Grace" von David Pirie
Seite 212


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Dies hier war nichts von alledem. 


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, Zitat, was immer du willst!)
Dieses Mal ist es wirklich gemeinsam lesen, denn Meggie und ich haben uns extra mal dasselbe Buch vorgenommen, um was zusammen zu lesen! :D
Bis jetzt hab ich noch nicht ganz verstanden, worauf der Erzähler - Arthur Conan Doyle selbst - mit seiner Geschichte hinaus will. Viel mehr reihen sich hier kleinere Begebenheiten aneinander. Den roten Faden hab ich immer noch nicht gefunden, obwohl sich das Buch schon dem Ende neigt - aber es ist wirklich angenehm zu lesen und schön geschrieben.
Und obwohl ja gesagt wird, dass Doyle seinen berühmten Detektiv an Dr. Bell angelehnt hat, hat man mitunter den witzigen Eindruck, dass man tatsächlich schon eine Holmes - Watson Geschichte liest, mit Dr. Bell als Sherlock Holmes und Arthur Conan Doyle als Watson.
Gefällt mir also echt gut bis hierhin, vielleicht find ich den roten Faden ja auch noch! :)

4.  Wie wichtig ist euch das Cover? Beeinflusst es euch beim Kaufen oder ist es komplett egal? Wie gefällt euch das Cover eures aktuellen Buches? Sollte es zum Inhalt passen?
Ich persönlich kaufe selten gezielt Bücher. Ich gehe in die Buchhandlung und stöbere einfach mal und da springt einem natürlich immer als erstes das Cover ins Auge. Das Cover hat also schon erheblichen Einfluss darauf, ob ich das Buch aus dem Regal und in die Hand nehme oder dran vorbei gehe, das kann man einfach nicht leugnen.
Allerdings kommt es dann doch sehr auf den Inhalt an. Wenn der mich nicht anspricht, dann geb ich dem Buch in der Regel auch keine Chance, egal wie hübsch das Cover ist.

Das Cover zu "Die Augen der Heather Grace" gefällt mir außerordentlich gut, da ich sehr viel für den viktorianischen Stil übrig habe und es passt in diesem Fall auch toll zum Inhalt - immerhin geht es um eine junge Dame aus gutem Hause und das ganze spielt sich natürlich im viktorianischen England ab.
Generell mag ich es sehr, wenn das Cover auch zumindest einen vagen Bezug zum Inhalt hat, aber es ist nicht schlimm, wenn man den Bezug erst im Laufe des Buches erkennt. Es muss also für mich nicht platt und direkt sein, es darf auch einen versteckten Bezug haben :)

BR - Hannah Kent - Das Seelenhaus







Gebundene Ausgabe
Erschienen am: 21. August 2014
Verlag: Droemer HC
ISBN:  978-3426199787
Seitenzahl: 384 Seiten
Preis: 19,99€







Einer der Männer beugte sich zu mir und zog mich vom Boden hoch, als würde er eine Distel ausreißen, die an einer Stelle Wurzeln geschlagen hat, an der sie nichts verloren hat. Erst dann bemerkte ich die Menschenmenge, die sich versammelt hatte. Zuerst verstand ich nicht, warum diese Leute, Männer wie Frauen, bewegungslos dastanden und mich schweigend anstarrten. Schließlich begriff ich, dass sie gar nicht mich anstarrten. Ich, das waren zwei tote Männer. Ich, das war ein brennender Hof. Ich war ein Messer. Ich war Blut.

Island in den späten 1820er Jahren. Zwei Frauen und ein Mann werden zum Tode verurteilt. Sie sollen den Heilkundigen Natan Ketilson und einen seiner Freunde des nachts erschlagen, erstochen und anschließend Natans Hof in Brand gesteckt haben.
Eine der Verurteilten ist Agnes Magnusdottir. In dem entlegenen Fleckchen Erde, in dem die Tat stattgefunden hat und deshalb auch das Urteil verstreckt werden soll, mangelt es an einem richtigen Gefängnis. Doch irgendwo müssen die Gefangenen bis zu ihrer Hinrichtung untergebracht werden. Also verteilt man sie auf die umliegenden Bauernhöfe, wo sie so lange arbeiten und Buße tun sollen. Agnes teilt man dem Kornsáhof zu, auf dem Dienstmann Jón mit seiner Familie lebt. Und sie sind sich einig: keiner von ihnen will eine Mörderin im Haus haben. Je länger Agnes allerdings bei der Familie wohnt und für sie arbeitet, desto mehr muss diese erkennen, dass sie es sich reichlich einfach gemacht hat, Agnes einfach zu verurteilen. Nach und nach entdecken vor allen Dingen Jóns Frau Margaret, ihre Tochter Steina und Pfarrvikar Tóti, den Agnes zu ihrem geistigen Beistand bestellt hat, dass mehr hinter dieser geheimnisvollen, stillen Frau steckt. Und der Tag der Hinrichtung rückt immer näher...

Historische Romane, die auf wahren Begebenheiten beruhen oder zumindest von diesen inspiriert sind, haben immer einen ganz besonderen Reiz für mich. Besonders wenn es um Themen, Epochen oder Ereignisse geht, die ich vorher vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatte, die aber doch sehr interessant klingen.
So war es bei Hannah Kents "Das Seelenhaus". Mit Island habe ich mich noch nie besonders viel beschäftigt, weder historisch betrachtet, noch aus heutiger Sicht. Es ist ein raues Land, unwirtlich könnte man von außen meinen, aber mit ganz eigentümlicher Schönheit, in das Hannah Kent ihre Leser entführt. Sie erspart uns langatmige, seitenlange Landschaftsbeschreibungen, zu denen sicher Gelegenheit bestanden hätte, und schafft es trotzdem die Atmosphäre des Tals rüber zu bringen, in dem die ganze Geschichte spielt. Weit verstreute Bauernhöfe, daraus resultierend weite Wege, um überhaupt zum nächsten Nachbarn zu gelangen, und wiederum daraus resultierend eine gewisse Einsamkeit. Ein beklemmender Gedanke in dieser Einsamkeit mit einer Mörderin zusammenleben zu müssen, weil der Landrat es befiehlt.
Abwechselnd begleitet man die unterschiedlichen Charaktere, beispielsweise Pfarrer Tóti oder Margaret und natürlich Agnes. Agnes ist hierbei die einzige, die in der Ich-Form erzählt, was eine besondere Nähe zu ihr schafft. Man bekommt mit, wie sie von aller Welt behandelt, angesehen und verurteilt wird. Hannah Kent gelingt es mit Agnes eine sehr facettenreiche Protagonistin zu erschaffen, in die man sich trotz ihrer etwas eigenen Art sehr gut einfühlen kann, schwankend zwischen Resignation, Angst und Verzweiflung. Aber auch die übrigen Charaktere sind gut gelungen, mit verständlichen Sorgen, Ängsten und Motivationen.
Bis kurz vor Schluss bleibt offen, ob Agnes im Sinne der Anklage schuldig ist. Ob sie dabei geholfen hat, Pétur und Natan den Schädel einzuschlagen und sie zu erstechen und ob sie tatsächlich das Feuer gelegt hat, um Spuren des Mordes zu verwischen. Umso bemerkenswerter fand ich, wie sehr mir Agnes ans Herz gewachsen ist, obwohl nicht von Anfang von ein rechtschaffenes "zu Unrecht verurteilt" über dem ganzen schwebte.
"Das Seelenhaus" ist eines jener Bücher, die bereits im Klappentext verraten, was am Ende stehen wird. Man weiß es eigentlich das ganze Buch über und trotzdem hat man die vage und irgendwie doch drängende Hoffnung, dass der Plot sich anders entwickelt. Dass es vielleicht doch ein Happy End in letzter Minute gibt. Aber darum geht es in der Geschichte von Agnes Magnusdottir überhaupt nicht. Es geht um die letzten Wochen und Monate einer bemerkenswerten Frau - der letzten, an der in Island die Todesstrafe vollstreckt wurde.

Hannah Kent gibt an, sehr detailliert recherchiert, sämtliche Aufzeichnungen und Überlieferungen über die historische Agnes gewälzt und die Geschichte so gut es geht rekonstruiert zu haben und sie dort, wo sie nicht eindeutig nachzuvollziehen war, mit 'historischen Wahrscheinlichkeiten' gefüllt zu haben, wie sie es nennt. Ob Agnes Magnusdottir nun wirklich so war wie in diesem Buch beschrieben, ob sie Natan Ketilson tatsächlich umgebracht hat oder ob sie zu Unrecht verurteilt wurde - wir werden es vielleicht nie erfahren. Dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - war "Das Seelenhaus" einfach ein emotional sehr intensives und packendes Buch, wofür es von mir fünf Blümchen gibt.


Aussehen: ♥♥♥♥ 
Charaktere: ♥♥♥♥♥ 
Spannung: ♥♥♥♥ 
Schlüssigkeit: ♥♥♥♥♥ 
Originalität: ♥♥♥♥ 
Emotionale Tiefe: ♥♥♥♥♥ 
Schreibstil: ♥♥♥♥♥



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