BR - Sebastian Fitzek - Noah






Gebundene Ausgabe
Erschienen am: 20. Dezember 2013
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3785724828
Seitenzahl: 560 Seiten
Preis: 19,99 €
 
 
 
 
 
 
 
 
Wie an so vieles konnte Noah sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal geweint hatte. Er blinzelte und bedankte sich noch einmal. Bei Oscar, Dem Menschen, der sein Leben nach Quersummen ausgerichtet hatte; der ein Dasein im Untergrund vorzog, aus Angst, zu viel CLEAR einzuatmen, das nach seiner Meinung von Geheimorganisationen versprüht wurde, um die Welt zu kontrollieren. Er bedankte sich bei dem Menschen, der in seiner Einsamkeit irgendwann damit begonnen hatte, Geschichten über seine Vergangenheit zu erspinnen; eine Frau und ein Studium zu erfinden. Nicht, um zu betrügen, sondern um sein Selbstwertgefühl zu steigern. Eine verwirrte, gutmütige Seele, die ihn gerettet und gesund gepflegt hatte, in der Hoffnung, einen Schicksalsgenossen gefunden zu haben, mit dem das Leben auf der Straße etwas erträglicher werden könnte [...]

Ohne das Wissen an seine Vergangenheit wacht der Mann in Berlin in einem Abgelegenen Bereich eines U-Bahn-Schachts auf. Ein Obdachloser hatte ihm nach einer Schussverletzung das Leben gerettet, in der Hoffnung vielleicht einen Gleichgesinnten zu treffen. Da der Mann keinerlei Erinnerungen an sein vorheriges Leben hat - Oscar schiebt das auf den Schock nach der Schussverletzung - nennt er ihn einfach Noah. Ein Name, der ungelenk in seine Handfläche tätowiert wurde.
In einer Nacht im U-Bahntunnel sieht Noah schließlich ein Bild und plötzlich sind da Fetzen von Erinnerungen. Er wählt die Nummer und kommt so in Kontakt zu Celine. Einer Reporterin einer New Yorker Zeitung, die gerade mit der Angst um ihr ungeborenes Kind kämpft, als sie mitten in die Ereignisse um die Suche nach Noah hineingezogen wird.
Doch noch ahnt keiner von den Dreien, dass sie auf ganz besondere Art mit der überall auf der Welt herrschenden Pandemie, der Manila-Grippe, im Zusammenhang stehen. Während die Slums und Favelas auf der ganzen Welt abgeriegelt werden und die reichen die Apotheken und Kliniken stürmen, um etwas von dem wertvollen Gegenmittel zu bekommen, beginnt für Noah und Oscar, und auch für Celine, eine gefährliche Jagd durch Europa, auf der sie von mehr als nur einem Killer verfolgt werden.

Das Cover allein hätte mich vielleicht zu Beginn nicht unbedingt angesprochen, doch der deutliche Namenszug „Fitzek“ macht natürlich einen wahren Fan direkt aufmerksam. Wenn man die Geschichte kennt, ergibt auch die Hand mit den Buchstaben besonders Sinn. Ob dann solch ein Spielkram, wie im Dunkeln leuchtende Handabdrücke sein muss, sei dahingestellt. Ich fand es recht lustig, als es mir abends im Bett aufgefallen ist.
Wie immer schafft Fitzek es spannende und mysteriöse Charaktere zu erstellen, von denen man selbst am Ende nicht sicher ist alle Geheimnisse zu kennen. Besonders bei Noah mit seiner Amnesie gelingt es dem Autor immer wieder kurze Informationen aufblitzen zu lassen, die erst am Ende des Romans das Puzzel wirklich vervollständigen. Doch auch die anderen Figuren haben eigene Eigenschaften und Gedanken, die sie interessant und vielschichtig machen. Bei Celine bleibt die Frage, ob es ihrem Baby gutgeht, bei Oscar steht beständig die Frage im Raum, was hinter all seinen Geschichten steckt und ob er vielleicht mehr als nur ein Obdachloser aus Berlin ist.
Durch die Kapitel aus wechselnder Sicht und die Sprünge von einem Ende der Welt zum Anderen, wird die Geschichte spannend gehalten. Immer wieder bekommt der Leser nur kleine Einblicke in das große Ganze, das erst am Ende vollständig offenbart wird. Es gab eigentlich keinen Bereich des Buches, an dem ich das Buch lieber weglegen wollte, weil die Geschichte langatmig oder dergleichen wurde.
Die wechselnden Sichten der Kapitel führten auch dazu, dass ich mich sehr gut in alle Charaktere hinein fühlen konnte und die Emotionen an Tiefe gewannen. Sogar in den Auftragskiller konnte ich mich einfühlen und habe mit ihm gelitten. Durch geschickte Nutzung von Worten, schafft es Fitzek zu verschleiern, wer wirklich der Böse in dieser Geschichte ist und der Leser entwickelt eventuell Sympathie für Personen, die sich am Ende als böse herausstellen.
Der Schreibstil an sich erinnert im Gegensatz zur Grundlegenden Thematik wieder deutlicher an einen typischen Fitzek. Treffend und vielleicht auch an einigen Stellen provokant deutlich formuliert der Autor die Situationen und die Dialoge seiner Figuren. Nichts wirkt aufgesetzt oder unpassend. Alles schließt sich zu einem guten Lesefluss zusammen und mit gewohnten Tricks, wie dem Cliffhanger am Ende der Szenen, schafft er es dauerhafte Spannung aufzubauen und zu erhalten.
Die Thematik des Buches erinnert mit den Verschwörungstheorien vielleicht eher an einen Dan Brown, als an Fitzeks andere Veröffentlichungen, doch trotzdem hat er das Thema auf seine eigene Art umgesetzt und bearbeitet. Damit hat er eine rundum zusammenhängende Geschichte geschaffen, in der der rote Faden vielleicht nicht immer zu erkenne, aber doch am Ende vorhanden war.

Insgesamt ein großartiges Buch, das am Ende einige Fragen über das eigene Verhalten und das der Menschheit allgemein aufwirft, dabei aber absolut keine schwere Kost darstellt. Für jeden Fitzek Fan ein Muss und auch für Freunde von Verschwörungstheorien und wilden Verfolgungen zu empfehlen.

Aussehen: ♥♥♥♥
Charaktere: ♥♥♥♥♥
 Spannung: ♥♥♥♥♥
 Schlüssigkeit: ♥♥♥♥
 Originalität: ♥♥♥♥
  Emotionale Tiefe: ♥♥♥♥
 Schreibstil: ♥♥♥♥♥
 

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